Das Hamsterrad: Was ich 2017 bitte nicht mehr lesen möchte

Es gibt einige Begriffe, die mir 2016 online so oft begegnet sind, dass ich sie nicht mehr hören kann bzw. lesen mag. An erster Stelle dabei: das Hamsterrad. Mittlerweile müsste es – wegen der vielen Nachahmer – eigentlich „Lemmingrad“ heißen.

Das Hamsterrad

Eines vorweg: ich mag Hamster. Als 7-jährige hatte ich einen als Haustier. Als nachtaktives Wesen mit akutem Auslaufmangel ist er auch wie wild im Rad gerannt. Er wollte raus. Aus dem Rad. Aus dem Käfig. Aus der Zoohandlung. Hinaus in die Freiheit. Gerne hat er dafür die Gefahr in Kauf genommen, vom nächsten Raubvogel erwischt zu werden. Der in der Online-Welt erstaunlich weit verbreitete Begriff „Hamsterrad“ hätte meiner Meinung nach mittlerweile einen Eintrag im Duden verdient. Als Synonym für ein fremdbestimmtes, stressiges Arbeitsleben, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Burnout endet.

Darunter wäre dann folgende Variation angebracht:

Hamsterrad, Ausstieg aus dem…Erlangung beruflicher Freiheit und finanzieller Unabhängigkeit mittels Laptop-Business.

Darf ich mir etwas wünschen? Ich möchte 2017 nicht tausendfach „Raus aus dem Hamsterrad“ lesen. Wo bleibt die Kreativität? Vielleicht lassen sich ja noch andere, weniger strapazierte Symbole und Formulierungen finden?

Die Challenge

Ich weiß, die Intention dahinter ist grundgut. Gratis nützlichen Content zur Verfügung stellen und gleichzeitig seinen Tribe, seine Community, seine E-mail-Liste vergrößern. Überall im Internet sehe ich sie, die sozialen Medien sind voll davon. Wie Pilze schießen die Online-Challenges aus dem digitalen Boden. Bevorzugt in Kombination mit einem anderen Wort wie Sichtbarkeit, Achtsamkeit, Erfolg, Superfood, Fitness, Diät und noch viele mehr. Eine so genannte Dankbarkeitschallenge ist mir beispielsweise von 2016 noch lebhaft in Erinnerung. Dankbarkeit ist für mich alles andere als eine Challenge. Es sollte eine eher leichte Übung sein, sich jeden Abend ins Gedächtnis zu rufen, wofür wir dankbar sein können. Nicht nur die durchschnittliche Challenge-Dauer von 30 Tagen lang, sondern jeden Tag. Das tue ich seit Jahren völlig freiwillig mit großer Freude, bevor ich mich zur Ruhe begebe. Es fühlt sich ganz ungezwungen und sehr gut an. Das Leben wird auch 2017 einige Herausforderungen für uns bereit halten, ich für meinen Teil brauche da keine Online-Challenges mehr.

Was ist sonst noch möglich?

Und: Wie kann es noch besser werden? Diese Phrasen sind mit einer speziellen, aus den USA stammenden Methode verknüpft, die sich im deutschsprachigen Raum seuchenartig ausgebreitet hat. Vor allem im vergangenen Jahr ist sie dermaßen explodiert, dass ich bestimmt gar nicht mehr dazu sagen muss, um welche es sich handelt. An dieser Stelle gleich eine Richtigstellung: ich habe mich damit nicht näher beschäftigt und möchte mir daher auch kein inhaltliches Urteil anmaßen. Als engagierte und beim Texten auf Originalität bedachte „Sprachdetektivin“ möchte ich jedoch anmerken, dass mir solche schablonenhaften Aussagen meist verdächtig erscheinen. Auf einer wachsenden Anzahl von Webseiten habe ich das gelesen und es werden bestimmt noch mehr werden. Kursabsolvent ist ja praktischerweise gleich späterer Kursanbieter. Für die rasante Weiterverbreitung der Wundermethode ist also gesorgt. Ich frage mich, ob das exakte, roboterartige Wording von den Erfindern dieses Systems vorgeschrieben wird. Wenn ja, ist mir das Ganze gleich noch ein Stück suspekter.

Formuliere frei und lass Dir etwas einfallen!

Dieser Artikel enthält natürlich nichts Allgemeingültiges, sondern schlicht und einfach meine höchstpersönliche, rein subjektive Meinung. Wenn Du lernen möchtest, wie Deine Kommunikation in Text, Sprache und Auftreten einzigartig und unverwechselbar werden kann, lade ich Dich herzlich in meine Facebook-Gruppe zum Thema Authentische Kommunikation ein.

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Ohrenkaktus

Veronika Pavlicek. Kommunikationsexpertin. Authentizitätscoach. Survival Trainerin für die Seele.

Ohrenkaktus-Kommentare

2 Comments

  • Claudia

    Reply Reply 4. Januar 2017

    Danke, liebe Veronika, Du hast es genau auf den Punkt gebracht.
    Sehr super geschrieben!!!!
    Alles Liebe
    Claudia

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