Digitale Nomadin oder wie das Gepäckaufbewahrungsfach mein bester Freund wurde

Digitale Nomadin

Ortsunabhängiges Arbeiten – ein Traum?

Mit dem Laptop am Palmenstrand. Digitale Nomadin sein. Jeder, der sich mehr oder weniger online “herumtreibt”, kennt die schönen Werbebilder und coolen Wortkreationen. Romantisch bis glamourös sind die Vorstellungen vom ortsunabhängigen Arbeiten. Wobei diese Arbeit ja gar keine ist, sondern aus reiner Freunde besteht. Denn natürlich hast Du genau das gefunden, was Du zu tun liebst und alles fühlt sich wie ein endloser (selbstverständlich gut bezahlter!) Urlaub an. Verlockend ist auch die Variante der weltreisenden “Digital Nomads”, die – wahlweise als verliebtes Paar oder als glückliche Familie – im Wohnmobil rund um den Erdball düsen und ein Abenteuer nach dem anderen erleben. Daran ist nichts falsch und viele träumen von diesem vermeintlich freien Leben. Doch was, wenn einem das Nomaden-Dasein “passiert” ist?

And my ties are severed clean

The less I have the more I gain

Off the beaten path I reign

Rover wanderer 

Nomad vagabond

Call me what you will

 

Metallica “Anywhere I roam”

Weniger ist mehr. Und was brauche ich schon als Digitale Nomadin?

Noch vor drei Jahren hatte ich einen Honorar-Vertrag als Moderatorin bei einem Radiosender (sprich einen Job mit regelmäßigem Einkommen), nebenberufliche Tätigkeiten im Textbereich und in der psychologischen Beratung, eine Mietwohnung im 90 Quadratmeter-Jugendstilaltbau, einen Partner aus Übersee, der mich für 2 x 3 Monate pro Jahr besuchen kommen durfte, Rücklagen und Ersparnisse, die mich im “Fall des Falles” absichern sollten.

Der “Fall des Falles” ist eingetreten, sogar mehrere. Job verloren, Wohnung aufgeben müssen, Lebensgefährte mit langjährigem Einreiseverbot in sein Herkunftsland abgeschoben. Heute als nicht ganz freiwillige Digitale Nomadin unterwegs. Hier erzähle ich meine Geschichte:

Ich habe viel verloren und einiges gewonnen. Freiheit, ja. Doch der Kampf ums Überleben hat nichts Romantisches an sich. Seit der Gründung meines Unternehmens “Ohrenkaktus”, habe ich völlige Gestaltungsfreiheit. Zugleich bin ich ganz auf mich allein gestellt. Das Pflänzchen ist noch klein, keine Spur von 6- oder gar 7-stelligen Umsätzen. Eine gute Übung in Geduld, Demut und Dankbarkeit für das, was schon da ist. Wie gut (oder doch nicht?), dass aus der Erziehung der hartnäckige Glaubenssatz besteht, ohnehin nur wenig zu brauchen. Ja, stimmt. Dennoch wünsche ich mir, dass es besser wird. Dass ich mir nicht mehr ständig Gedanken über die nächsten zu bezahlenden Rechnungen machen muss. Dass ich so leben kann und darf, wie ich möchte.

Zuhause? Wo ist das?

Und ich wünsche mir auch wieder ein Zuhause. Einen Stützpunkt, wo ich zumindest Platz für meine – bereits auf ein Minimum reduzierten – Kleider und Bücher habe. Im Moment befinden sie sich im Haus meiner Eltern auf dem Land, wo mein Vater seit dem Tod meiner Mutter vor sieben Jahren alleine lebt. Ich habe diesen Ort nie als mein Zuhause betrachtet. Es ist das Dorf, aus dem meine Mutter stammt, ich hingegen bin in Wien geboren und aufgewachsen. Hier hat unsere gesamte Familie jahrzehntelang den Lebensmittelpunkt gehabt. “Am Land” war ich immer nur zu Besuch. Als Kind bei meinen Großeltern, später bei meinen Eltern, deren Wohnsitz das Landhaus nach ihrem aktiven Berufsleben war. Auto habe ich schon lange keines mehr. In der Stadt habe ich es nie benötigt. Entsprechend gering ist auch meine Fahrpraxis. Ich bin also öffentlich von Wien ins Weinviertel unterwegs. Bepackt mit Rucksack und Tasche(n). Ich bleibe einige Tage, koche, putze, mache die Wäsche, mähe den Rasen und fahre – mit frischer Kleidung bepackt – wieder nach Wien zurück. In meine Praxis, um KlientInnen zu beraten (ja, manchmal auch online) und in eines der Quartiere, die mir liebe Menschen in Wien immer wieder zur Verfügung stellten und stellen.

Zu Hause ist

…wo ich willkommen bin

…wo ich eine Tür hinter mit schließen kann

…wo ich meine Ruhe habe

Meinen herzlichsten Dank dafür. Das gibt mir Zeit und Raum, mich auf meine Arbeit und den Aufbau meiner Firma zu konzentrieren.

Was fehlt mir wirklich? Oder besser, wer?

Schlafsack. Boden. Couch. Gästebett. Das alles bereitet mir kein Kopfzerbrechen. Ich habe zum Glück einen gesegneten Schlaf. Immer. Überall. Die Sehnsucht nach einem Zuhause ist – wenn ich es näher betrachte – eher die Sehnsucht nach meinem Partner, den ich nun schon so lange nicht mehr in die Arme schließen konnte. Wir leiden beide furchtbar und doch ist das der größte Antrieb, weiter zu machen. Denn am Ende ist Zuhause dort, wo Du geliebt wirst. Wo das in Zukunft sein wird? Ich weiß es nicht. Bis dahin ist das Schließfach am Bahnhof einer meiner besten Freunde geworden. Ein Gesprächstermin zwischen der Ankunft vom Land und der Fahrt in meine temporäre Bleibe? Ein klarer Fall für die Gepäckaufbewahrung. Tasche und Rucksack werden verstaut: in Floridsdorf, am Westbahnhof, am Praterstern, je nachdem. Bis zu 24 Stunden lang weiß ich meine Habseligkeiten gut verwahrt. Er-leichtert und unbe-schwert kann ich in den Tag starten. Ins Abenteuer. Als Digitale Nomadin.

But I’ll take my time anywhere

I’m free to speak my mind anywhere

And I’ll never mind anywhere

Anywhere I may roam

Where I lay my head is home

 

Metallica “Anywhere I Roam”

Das sicherste Zuhause ist in Dir

Nun teile ich noch eine Lebensweisheit mit Dir, die ich selbst bereits erfahren durfte. Egal, was Dir das Leben gerade abverlangt und wie unsicher alles ist: das wichtigste überhaupt ist, dass Du Dir selbst ein Zuhause gibst und – noch besser – bist. Wenn Du lernen möchtest, wie auch Dir das gelingen kann, melde Dich bei mir zu einem kostenfreien, 30-minütigen Gespräch. Wer lernt, unabhängig von äußeren Umständen und Geschehnissen agieren und leben zu können, der ist wirklich frei.

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About The Author

Ohrenkaktus

Veronika Pavlicek. Hellhörende Begleiterin durch Krisen. Vom Stachel zur Blüte. In Deine Kraft zurück. Expertin für den Zusammenhang zwischen Stimme und Seele.

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