Guru-Hoppers oder Kunden, die ich lieber nicht haben möchte

Guru

Der Guru und die Cocktail-Bar

Der indische Guru hatte einen wirklich beeindruckenden Vortrag gehalten. Eigentlich hat er ja gar nicht viel gesagt, eher nur verklärt geschaut und unendlichen Frieden ausgestrahlt. Und in einer der Zuhörerinnen ist ein Entschluss gereift: diesen Weg der Weisheit will Tamara nun auch beschreiten. Ein wenig von der Güte und dem Frieden, findet sie, hat sich bereits auf sie übertragen. Mit täglichen Atemübungen und regelmäßiger Meditationspraxis möchte sie es bis zur Erleuchtung schaffen. Gleich heute abend vor dem Einschlafen wird sie damit beginnen. Nach dem Treffen zum Cocktail mit Freunden in der neuen, schicken Bar, von der Beatrix letztens so geschwärmt hat.

Der Meister und seine Gefolgschaft

Zwei Tage später ruft die ehemalige Schulkollegin Christine an. Stell dir vor, Master XY aus den USA ist zu einem exklusiven Workshop in der Stadt, da müssen wir hin, dieser Mann ist ein Genie und gerade total angesagt. Er hat eine bahnbrechende neue Methode entwickelt, mit der Du immerwährenden Zugang zu Deinem eigenen Bewusstsein und zu dem Deiner Mitmenschen erhältst. Stell Dir vor, was sich da für Möglichkeiten auftun. Und es ist ganz einfach zu erlernen. Das hört sich ja mal interessant an, findet Tamara und folgt schon bald dem nächsten Guru.

“Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.”

Albert Einstein

Erfüllung und Erleuchtung – der “Richtige”

Wird sie so je Erfüllung finden? Wahre Erleuchtung? Umfassende Erkenntnis? Oder auch nur für eine kurze Zeitspanne innere Zufriedenheit?  Wohl kaum. Ihre Geschichte erinnert mich an Menschen, von denen wir wohl alle zumindest ein Exemplar kennen. Jene, die immer und immer wieder der ganz großen Liebe begegnen. „Der ist es! Diesmal bin ich ganz sicher. Ich bin ja so verliebt.“ Zwei Wochen später. „Ich habe mich getäuscht. Und wie! Aber jetzt ist mir endlich mein Traumprinz über den Weg gelaufen.“ Zwei Monate und heftigen Liebeskummer später. „Jetzt weiß ich endlich, was ich will – und schon habe ich IHN gefunden!“ Und so weiter und so fort…

“Es ist nicht leicht, das  Glück in sich selbst zu finden, doch es ist unmöglich, es anderswo zu  finden.”

Orientalische Weisheit

In die Ego-Falle getappt

Bei „Guru-Hoppern” bin ich extrem vorsichtig geworden. Kunden, die glauben, das Gras sei woanders noch grüner, sind sehr anstrengend. Und nur allzu leicht tappen wir in ihre Falle. Sie sind anfangs begeistert von uns, ja fast schon euphorisch. Unser Ego fühlt sich geschmeichelt und freut sich, so viel Gutes und so viel Lob zu hören. Wenig später wendet sich das Blatt. Die Begeisterung ist merklich abgekühlt. Über Umwege erfährt man manchmal, dass der Kunde nun zum Top-Coach Z. geht, der das Vierfache pro Stunde kostet und daher auch mindestens viermal so gut sein muss. Schließlich coacht er ja auch viele Prominente, wie in einschlägigen Magazinen nachzulesen ist. Die Folge: man gerät rasch in Vergessenheit, oft werden sogar vereinbarte Termine fallen gelassen oder offene Rechnungen nicht mehr beglichen.

Nicht immer ist der Weg das Ziel

Da hilft nur ein strikter Cut. Mit mir nicht. Ich möchte mich nicht einreihen in die Riege von Beratern, Coaches und Gurus, die „alle nicht helfen konnten“. Denn bei solch einem Verhalten sind Ergebnisse oder Veränderungen nicht zu erwarten. Das ist zu frustrierend und untergräbt das eigene Selbstwertgefühl. Ich habe für mich akzeptiert, dass manche den Spruch „Der Weg ist das Ziel“ falsch interpretieren und allzu wörtlich nehmen. Vor allem dann, wenn sie gar kein Ziel haben.

Wer es jedoch ernst meint mit Veränderung und Transformation und wer weiß, dass dies auch harte Arbeit an sich selbst bedeutet, der ist in meinen Coaching-Sessions gerne willkommen. Zur Terminvereinbarung für ein kostenloses Erstgespräch geht es hier.

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Ohrenkaktus

Veronika Pavlicek. Krisenbegleitung für Medien- und Bühnenperformer. Counseling. Mentoring. Soul Survival Training. Expertin für den Zusammenhang zwischen Stimme und Seele.

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