Was Sie bei Businessgesprächen besonders hellhörig machen sollte: 3 Horrorszenarien

Businessgespräche

Businessgespräche – nur leere Floskeln?

In der Kommunikation – speziell bei Gesprächen im Geschäftsleben – gibt es Floskeln, Phrasen und Allgemeinplätze, die mich hellhörig werden lassen und in Alarmbereitschaft versetzen. Meist wird das “mulmige Gefühl” bestätigt. Hier drei selbst erlebte und daher natürlich rein subjektive Beispiele erschreckender Businessgespräche:

Horrorszenario 1 – “Dynamisches Team”

Mein Bewerbungsgespräch bei einer trendigen Werbeagentur. Mein Dresscode: ganz in schwarz mit dem kleinen Extravaganz-Kick, um meiner Kreativität und meinem guten Geschmack Ausdruck zu verleihen. “Wir sind ein junges, dynamisches Team.” Diesen Satz vernehme ich bereits an der Tür, noch vor den üblichen Begrüßungsritualen, noch bevor ich im grasgrünen Bürositzmöbel Platz genommen habe. Er kam aus dem Mund eines Mannes im schiefergrauen Anzug, dessen Füße in kreischbunten Sneakers steckten.

ALARMSTUFE GELB!

Jung? Nun ja, für den Arbeitsmarkt, insbesondere in der Kreativbranche, war ich das nicht mehr, zumindest nicht so ganz. Mein Gesprächspartner und potenzieller Vorgesetzter – trotz Sneakers – im übrigen auch nicht.

Dynamisch? Bedeutete das gesundes, positives Wachstum des Unternehmens, oder überbordende Fluktuation beim Personal, da niemand den hohen Ansprüchen gerecht werden und dem wachsenden Druck standhalten konnte?

Team? Für mich ist es kein Problem, mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenzuarbeiten. Hier wurde ich jedoch das Gefühl nicht los, dass ein Heer von unterbezahlten Arbeitsbienen tun musste, was der Boss sagte.

Ich wusste sofort, dass ich diesen Job auf keinen Fall wollte. Daran konnte auch der Kapsel-Espresso in der italienischen Designer-Tasse, an der ich zaghaft nippte, nichts ändern.

“Diggi-loo diggi-ley, let this miracle stay
I could be whatever I would choose
Please don’t wake me up
I’m dreamin’ of me in golden shoes

Herreys “Diggi-loo Diggi-ley”

Horrorszenario 2 – “Flache Hierarchien”

Andere Firma: ein Großkonzern mit vielen Abteilungen und zahlreichen Ansprechpartnern, die alle an einen Tisch gebracht werden wollen. Auf der Agenda steht die Besprechung einer möglichen Kooperation im Bereich Text. In der Runde sitzen der Marketingleiter samt Assistentin, ein PR-Trainee, ein IT-Experte, ein Mitarbeiter aus dem Vertrieb und die für die Beauftragung von Agenturen und externen Kreativen Verantwortliche aus der Werbeabteilung. Den Vorsitz übernimmt ein Repräsentant der Geschäftsleitung, der über alle Vorgänge im Unternehmen informiert ist und mitentscheidet.

ALARMSTUFE ORANGE!

Auf meine bange Frage hin, wie viele Personen im Unternehmen denn meine Texte lesen werden und berechtigt sind, diese gegebenenfalls zu korrigieren bzw. zu ändern, erhalte ich die nur auf den ersten Blick beruhigende Antwort: “Keine Sorge, bei uns sind die Hierarchien äußerst flach.” Ja, das sehe ich schon an der Zusammensetzung des Besprechungstisches.

Die Betonung flacher oder nicht vorhandener Hierarchien bedeutet meiner Erfahrung nach nur, dass sie im Verbogenen sehr wohl existieren und wilde Blüten treiben. Das macht die Abläufe kompliziert und schlimmstenfalls sogar undurchschaubar. Die mindestens zehn Durchgänge nervenaufreibender Korrekturen, Genehmigungen und Absegnungen habe ich mir erspart. Ich habe den Auftrag abgelehnt.

Horrorszenario 3 – “Handschlagqualität”

“Nein, nein, wir brauchen keinen Vertrag. Ich bin schließlich  bekannt für meine Handschlagqualität.” Diese Worte hörte ich von einem Geschäftsmann, als er mich nach einem bis dahin gut verlaufenen Termin zur Tür begleitete.

ALARMSTUFE ROT!

Das ist meine ganz persönliche Top-Horror-Phrase, die mir einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Vertrauen, Loyalität und doch klare, transparente Regeln bezüglich Leistungsumfang und Zahlungsmodalitäten des Auftrags. So wünsche ich mir Geschäftsbeziehungen. Wer diese hohle Formulierung in seinen Wortschatz aufgenommen hat, hält vielleicht eben diese Hand gerne auf oder “schlägt” irgendwann zu, ohne dass man sich (weil ja im vertragslosen Zustand) nennenswert dagegen wehren kann. Ich wäre nicht weiter überrascht, wenn dieser Mann in absehbarer Zeit für ein politisches Amt kandidieren würde. Um die Höflichkeit zu wahren, habe ich ihm bei der Verabschiedung aber doch artig die Hand gegeben. Wieder ein Auftrag, den ich nicht bekommen habe. Zum Glück!

“Fide, sed cui, vide!
Trau, schau, wem.

(nach Äsop)

Ich möchte, dass Sie möglichst gut auf ähnliche Situationen in zukünftigen Gesprächen vorbereitet sind. Das ist ein zentrales Thema meiner Coachings. Achten Sie ganz genau auf die Wortwahl und die Sprache Ihres Gegenübers. Werden Sie hellhörig und sensibel. Nicht immer sind die Phrasendreschereien so offensichtlich zu vernehmen, oft kommen sie wesentlich subtiler daher. Vertrauen Sie Ihrer inneren Stimme, Ihrer Intuition. Sie wird Ihnen den richtigen Weg weisen. Oder glauben Sie, dass Sie sich in einem solchem Horror-Umfeld frei bewegen, entfalten und entwickeln können? Bei Alarmstufe Gelb – Orange – Rot?

Der Ohrenkatus hilft

  • leere Floskeln und hohle Phrasen aufzuspüren
  • Allgemeinplätze in der eigenen Kommunikation zu meiden
  • mutig nachzufragen, was hinter den Wortfassaden steckt
  • Intuition und innere Stimme besser wahrzunehmen
  • wenn nötig ein klares Nein zu formulieren
About The Author

Ohrenkaktus

Veronika Pavlicek. Innere Stärke. Stabilität. Unkaputtbarkeit. Krisenkompetenz. Counseling. Mentoring. Walk & Talk. Radio Voice. Expertin für den Zusammenhang zwischen Stimme und Seele.

Ohrenkaktus-Kommentare

2 Comments

  • Wiebke Rimasch

    Reply Reply 5. Juli 2016

    “Die Betonung flacher oder nicht vorhandener Hierarchien bedeutet meiner Erfahrung nach nur, dass sie im Verbogenen sehr wohl existieren und wilde Blüten treiben.” – großartig! Das trifft genau meine Erfahrungen!

    Eine knallharte Hierarchie, die sich hinter subtil-vertrauensseligem Getue versteckt.
    Ich habe viel Zeit damit verbracht, rauszukriegen, welche geheimen Regeln denn jetzt gelten und wo die unsichtbaren Linien sind, die ich nicht überschreiten darf.

    Hätte ich diesen Satz doch nur 4 Jahre früher gelesen …

    Danke :)

    • Veronika

      Reply Reply 5. Juli 2016

      Danke für Deine Erfahrungen. Ja, ich habe es auch “auf die harte Tour” gelernt.

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